All posts by Manuel Iljitsch

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Vimeo Staff Pick: It’s Been a Long Time

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Manchmal ist die Welt ja ganz besonders schön. Zum Beispiel habe ich Ende letzten Jahres einen Kurzfilm geschrieben und ihn mit einem fantastischen Team dann auch einfach mal gedreht. Esteban und ich haben Regie geführt, Anna Deckers von Soup Film produced, Lorena Maza gestyled, Corinna Studier die Sets gebaut, John Schwenzer und Julia Jasinski und Aline Schmidt vor der Kamera gestanden. Naja, das könnt ihr auch alles auf Vimeo nachlesen. Jedenfalls hat der Film von ebendiesem Portal die (so hörte ich) begehrte Auszeichnung des Staff Pick erhalten. Das macht uns alle sehr froh.

In dem Film geht es um Liebe, was denn sonst. Aber guckt einfach selbst mal.

 

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Provinzial x Iljitsch

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Für die neue Provinzial-Kampagne habe ich zwar nichts geschrieben, bin aber dafür vor der Kamera herumgeschwebt und habe anhand lustiger Situationen erläutert, warum man dringend eine Versicherung braucht. Das ist doch auch was Schönes.

Das Ding läuft jetzt, glaube ich, jahrelang im bundesdeutschen Fernsehen rauf und runter, bis mich absolut niemand mehr ertragen kann. Es tut mir im Voraus leid. War nett gemeint.

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Zoeva x Iljitsch

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Vor einer Weile (kann es schon ein Jahr sein? Es ist ein Jahr) hatte ich die große Ehre, für den neuen Kampagnenfilm des Pinsel- und Farbfabrikanten Zoeva eine kleine Ode an die Schönheit zu schreiben. Einen angenehmeren Auftrag kann es ja eigentlich kaum geben. Das Resultat ist auch wirklich auf die beste Art einschüchternd geworden, ich sehe es mir täglich mehrere hundert Male an und traue mich kaum noch vor die Tür. So soll es sein!

Danke, in diesem Sinne, an meinen guten Freund Charles Bals von Parasol Island / Another Slang. Und alle anderen.

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Iljitsch berichtet

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Immer mal wieder nehme ich kleine Videos von fragwürdiger Qualität auf, in denen ich, zum Beispiel, Tücken des Alltags besinge oder mich von Bergen und ihrer Vegetation gelangweilt zeige.

Und, ja: viele dieser Fragmente sind, man erkennt es, von Snapchat gezogen, was natürlich der Grundidee dieses ach-so-vergänglichen Mediums widerspricht. Aber noch so eine trivialwissenschaftliche Einordnung erträgt ja wirklich kein Mensch mehr.

Mehr ist nicht zu sagen. Hier also, ungefragt, eine beliebige Ansammlung ebendieser bedeutungslosen Momente des Zeitgeschehens:

 

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Esteban x Iljitsch auf Island

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Vor mittlerweile zwei Sommern war ich mit zwei schönen, klugen, interessanten Menschen auf Island – neben der obligatorischen Schlaflosigkeit, geplatzten Reifen und Füßen und überteuertem Craft Beer (in allem sind sie uns unangenehm voraus, darüber sollte man dringend ausgiebiger berichten) haben wir auch einen kleinen Film produziert, der jetzt endlich fertig ist. Genau hier kann er angeschaut werden:

 

A Portrait of the Artist as a young horse

Hörgedicht: Ode an den IC

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Letztens saß ich in einem der unzähligen Heizräume eines IC – ein Zug, dem seltsame Ideen zur effektiven Raumnutzung zugrunde zu liegen scheinen, der ganz in minzgrün und rosa gehalten ist, der weder über Bistro noch über Klimaanlagen verfügt, dafür aber über Fenster, deren Öffnung bei 250km/h jeden Fahrgast unweigerlich umbringt.

Leider wird dieser wundervolle Zugtypus nach und nach abgeschafft, durch charakterlose ICE ersetzt oder stillschweigend ins EU-Ausland verlegt, wo man einen Luftdruck von mehreren tausend bar noch zu schätzen weiß.

Bevor es also zu spät wäre, und während ich da zwischen zwei liebevoll durchnässten Kulinarikerinnen klemmte, tat ich das einzig Richtige: ich schrieb eine kleine Hymne an den IC, an Pferde, an die Freiheit; dann begab ich mich schnell ans zugeigene Piano und summte das just Geschriebene sanft in die empfänglichen Audiosensoren meines Telefons hinein.

Hier, also, das Resultat:

Das schöne Foto ist übrigens von meinem ungemein talentierten Freund Stefan Neumann – www.estebanstudio.com.

Hier noch einmal, für alle Gehörlosen und Interessierten, der Text als Text als Text:

Vom Raucherbereich aus verurteilte ich die Bevölkerung des Raucherbereichs am gegenüberliegenden Gleis. Eine angeschwemmte Aufgequollenheit; es war heiß, zu heiß für viele, viel zu heiß auch für mich, an eine auch nur ansatzweise elegante Handlung war kaum zu denken
Oh Weib, dein Fleisch umschließt mich wie ein weichgewordener Butterkeks
In einem Himmel der Empörung gefangen ließ ich meine Freude tröpfchenweise absterben
Ich fror wie ein Hummer im Kochtopf
Eine selten gewordene Zitatesammlung enthält nichts was überdauert
Ich bemühte mich, Bäume zu lieben, weil ich Proust gelesen hatte
Es gibt ja nichts, was man wirklich weiß, keinen Fakt, aber es klingt hübsch
Man hatte keine verträumte Jugend, nur weil man jetzt will
Du hast nie Comics geliebt
Ich glaube niemandem ein Wort.
Das eigentliche Problem ist, dass die Leute sich zu viel glauben
Simple gets things done
In einem Wald vor meiner Zeit und nichts passiert
Und keiner ruft an
Und es ruft immer jemand an aber das zählt nicht
Denn keiner ruft an
Jedem ist alles zuzutrauen
Ist es mir egal?? Es fühlt sich nicht an als wäre es mir nicht egal
Das Garagentor meiner Kindheit und der scheiternde Schließmechanismus des neuen Portals
Ich glaube mir selbst kein Wort
Es klingt alles gleich wenn man will
Man bekommt schon ein Trauma wenn man will
Man wird bewundert wenn man will geliebt wenn man will
Aber glaubt mir kein Wort denn es macht nichts
Mir macht es nichts
Wenn ich einen Kater habe vermisse ich dich
Oh immer ich vermisse dich, außer wenn ich einen Kater habe
Vermisse ich dich und mein Leben
Und die Ausbildung bei der Hypo Vereinsbank
Ein Kirschfeld im Frühling, zwei Rappen im Trab
Das haushohe Gras
Mein Handtuch wird nass
Kalte Füße im Sommer und Durchfall
Mein Körper ein Kausalquatsch und keiner glaubt mir
Na endlich! Wenn man nicht lügt glaubt einem keiner
Ein Mann mit Pferd verfügt noch beliebig über Träume
So prescht nur meine halbe Hüfte über fremde Wiesen
Und ich frage mich wenn es stürbe ob ich es wüsste
Nun. Egal, noch immer mein Fleisch zwischen glibbernden Schinken
Dein fettiger Atem beranzt das stufenlos zu öffnende Schiebefenster
Und wenn es ganz auf ist dann birst mir der Kopf
Ein Zug der den Selbstmord des Gastes ermöglicht
Ihn sogar ermuntert
Wenn Freiheit und Luft mir den Tod bringt
Ich bin schon immer ein Freund der Romantik gewesen
Der Zugbauer auch
aussortiert zugunsten sterilisierender Bläue
Die Sprünge nicht duldet und platzende Hirne
Nur Stille und 6-Loch-Schnürer und Zeitung die nie einer liest
Wenn schon kein Pferd, dann IC

 

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ESDE x BFFF

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Man muss kompakt sein, es hat ja nun wirklich niemand mehr Zeit. Daher sagt der Titel in highsnobiety-Kürze, was ich hier jetzt auszuformulieren versuche, auf dass es niemand jemals lese:

Das aufstrebende (nein, längst aufgestrobene!) Avantgarde-Label Ergebene Schüler Der Erfahrung ist beim diesjährigen Berlin Fashion Film Festival nominiert – jeder gängigen Logik nach der letzte Schritt vor dem unausweichlichen Gewinn des Nobelpreises.

Und hier, man hat es sich denken können, kommt Iljitsch ins Spiel. Ich habe nämlich für den schönen, von Lukas Tielke im Alleingang erstellten Film – nun: in Anwesenheit eines Mikrofons laut nachgedacht. Über die deutsche Tugend des Pläneschmiedens, über Freiheit, über vegetabile Fassgerbung.

So, genug, hier ist der Film:

Ich werde jedenfalls meinen besten Anzug steamen, um mich bei diesem BFFF über die Dicke des Carpaccios zu beschweren. Vielleicht sehen wir uns ja da – oder eben spätestens, wenn der Nobelpreis kommt. Ich meld mich dann noch mal.

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Iljitsch und Roger für Mercedes

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Wie fast jeder Mensch besitze auch ich ein Konglomerat von Organen, die bei richtiger Verwendung etwas erzeugen, das dem gemeinen menschlichen Ohr wie eine Stimme vorkommt.

Üblicherweise nutze ich die meine ausschließlich, um den Tannhäuser für fernöstliche Märkte zu synchronisieren. Für mein großes Idol Roger Federer allerdings habe ich eine Ausnahme gemacht – und ein paar Harmlosigkeiten in ein teures Studiomikrofon geschmust. Hier kann man das Resultat sehen:

 

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Comic „Ode ans Nichtstun“

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Die fantastische Tina Henkel hat ungefragt einen Comic zu meiner kleinen Phantasterei Ode ans Nichtstun erstellt – eine Frechheit! Als ich allerdings das Resultat zu Gesicht bekam, nahm ich von der eingereichten Klage sofort Abstand und schickte ihr mehrere Kisten Schaumwein.

Um den Comic digital anschauen zu können, braucht ihr entweder so gute Augen wie Tina und ich, ein Fernglas, oder eine Zoomfunktion. Alternativ kann der ausgedruckte Comic für eintausend Euro (zzgl. Versand) per Email erworben werden.

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Folgendes hat sich Tina dabei gedacht:

Rethinking Procrastionation

Gezeigt wird ein Tagesablauf in 24 Handlungsträgern, die jeweils als Repräsentant einer Stunde verstanden werden können. Jede Versinnbildlichung einer Stunde splittet sich wiederum in mehrere Panels in Abhängigkeit vom Tageszeitpunkt. Die Anzahl an Panels pro Stunde nimmt im Laufe des verbildlichten Tages zu. Dieser Prozess spiegelt unsere Gesellschaft in Prokrastination und der Beschleunigung des Alltags.

Mehr von ihr findet sich unter

www.tina-henkel.de

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Armin, ein Mensch wächst in seinen Anzug: Teil zwei

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Armins Wesen war von einer abwartenden, fast schüchternen Zurückhaltung geprägt, die einen Beobachter verwundern könnte, wenn er der außerordentlich wohlklingenden Resonanz lauschte, die jede bisherige Berührung des Jungen mit seiner Umwelt hervorgerufen hatte. Es hatte sich aber in Armin, im Speziellen nach dem Jahr des erfolglosen Aufbegehrens, ein dumpfes, vielmehr abdämpfendes Gefühl verbreitet, das wohl am Treffendsten mit dem allseits beliebten Konstrukt der Demut zu bezeichnen wäre. Die Vorstellung, unter irgendetwas zu stehen, das ihn anonym nährte und einlullte, schüchterte Armin auf die keuscheste Art ein, ohne dass er realisierte, dass ganz ähnliche Auslegungen der möglichen irdischen Seligkeit schon über einige Tradition verfügten. Und so wie üblicher- und anerkannterweise solch feierliche Gefühle etwas sehr Zartes, Intimes in ihrem Wirt ansprechen, sah auch Armin sich in würdevoller Einsamkeit in die exakte Mitte eines auf ihn zustrebenden Universums gesetzt. Und da er sich nicht traute oder zugestand, gegen das sich seiner Bemächtigende die Augen zu erheben, geschah es einfach unbemerkt, seiner irgendwie vorhandenen inhärenten Logik folgend. Und Armin geschah mit ihm mit, die kleine Hand hinter dem kleinen Rücken ein bebendes Stück offen haltend. So, oder in etwa so, würde Armin auf Nachfrage sagen, nahm er sich damals wahr, und zuweilen errötete er vor sich selbst: im Moment des potenziellen Erzählens als auch, so würde er vermuten, in der beschriebenen Zeit selbst, aber so genau sei das nicht zu wissen.

In ebenfalls verhältnismäßig jungen Jahren, so würde man im Nachhinein wohl behaupten, entwickelte Armin eine schwärmerische Begeisterung für das andere Geschlecht, eine Begeisterung, die sich durchaus auch körperlich bemerkbar machte, ohne dass er recht wusste, was mit ihr anzufangen sei. Anfangs kam sie auch gänzlich ohne Ziel aus. Umso mehr schämte sich Armin, ein solches, nach Handlung schreiendes Brodeln in sich anzutreffen, ohne Gelegenheit zu finden – oder überhaupt zu ahnen, was eine geeignete Gelegenheit sei – sich abzukühlen. Es geschah dies aber einige Zeit nach seiner Erkenntnis, durch aktive Willensäußerung nicht vorankommen zu können, sodass er geduldig abwartete, bis sich ihm etwas ereignete, das seinen Trieb in eine gehörige Ordnung fügen würde. Das Ereignis hieß Hanna und hätte durchaus auch anders heißen können, da es aber das erste als solches Bemerkte war, gab Armin dem, plötzlich eintreffenden, Ordnungsprinzip für seinen erhitzten Zustand eben diese zwei einfachen Silben zum Namen, die man, wären die Eltern etwas achtsamer gewesen, von vorne wie von hinten hätte lesen können. Hanna war in Armins Klasse, was natürlich alles andere als neu war, und hatte demnach ein ähnliches Alter – wobei erwähnt werden muss, dass einige Monate zwischen den Geburten ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal darstellen, wenn die Verglichenen noch nicht den Sinn für kalendarische Details, mit zunehmendem Alter, verloren haben. Hanna also war dünnblond auf einem kleinen, zarten Kopf bewachsen, presste oft die Lippen aufeinander, dass sie verschwanden, trug eine bunte Brille, die sie wohl bald nicht mehr dulden würde, hatte viele verschiedene Stifte und eine Zwillingsschwester, die aus Gründen der Unterscheidbarkeit in der Parallelklasse saß. Wenn man jetzt nachgehakt hätte, wäre Armin in aller Beiläufigkeit erwähnenswert erschienen, dass das alles aber gar nicht so wichtig sei; Hanna war, und das sei der alleinige Kern der Geschichte, seine erste große Liebe gewesen, hatte der Idee der Großen Liebe Gestalt verliehen. Nun könnte man ja annehmen, dass Armin die nächsten Wochen, wenn nicht Monate auf Kniescheiben vor dieser Gestalt verbracht hätte, aber dann läge man ganz falsch, denn das war nicht seine Art. Es war wohl gleichermaßen seiner mangelnden Erfahrung mit solcherlei Situationen, seiner Scheu vor zwingenden Handlungen und der daraus resultierenden, abwartenden Schüchternheit zulasten zu legen, dass Armin im Grunde genommen gar nichts tat, was dem abgestumpften Ausgewachsenen einen Hinweis auf solch eine Seelennähe hätte geben können. Dass Hanna ihn mochte, nahm der Junge von Vornherein als gegeben hin, ohne sich mit der Hinterfragung dieses Umstands aufzuhalten; ihre Zuneigung ihm gegenüber war ja überhaupt die notwendige Inspiration gewesen, die ihn seine Unordnung als ebensolche auslegen ließ. Irgendetwas in ihm bemerkte jedenfalls, dass von diesem Mädchen etwas ausging, das ihn zu betreffen schien. Wie das bei Kindern, und wohl auch bei Erwachsenen zum guten Teil, so ist, äußerte sich dieses Etwas vor allem in der bewussten Nichtbeachtung seiner Person. Das war für Armin, der sich in seiner Rolle als gemeinsamer Nenner der Allgemeinheit eingelebt hatte, natürlich neu, und wenn Hanna als Einzige nicht über einen seiner Witze lachte, schielte er zu ihr und war sicher, eine so tiefsitzende Freude in ihren gläsern vergrößerten Augen zu lesen, dass sie der gemeinschaftlichen Zustimmung des Chores nicht bedurfte. Umso ausgiebiger betrachtete sie ihn dafür, wenn es sonst niemand tat. Armin spürte diese Blicke und begriff zunächst nicht, warum sie sich ausgerechnet die Momente auszusuchen schien, in denen er gar keinen exemplarischen Beweis seiner Person ablegte, vielmehr einfach nur da saß und das Leben sowie ein wenig Sauerstoff empfing. Er fand aber Gefallen an der Idee, jemanden auf diese Weise sozusagen exklusiv wahrzunehmen, hielt es für einen edlen und poetischen Vorsatz, dem ganz Alltäglichen einen solchen Wert zu verleihen, und guckte sich diese Praxis, nach einiger Überlegung, von ihr ab. Es liegt in solcher Betrachtung eine Faszination, wie sie vielleicht mit dem erhebenden Gefühl vergleichbar ist, das einen durchströmt, wenn man einen großen Filmstar, der sich unbeobachtet fühlt, in Jogginghose beim Verspeisen eines Käsebrots erwischt – schauerlich echte Momente also, was, wenn man darüber nachzudenken Lust hat, natürlich dieses oder jenes über den Grad an Echtheit aussagt, den man der beobachteten Welt zutraut. Armin dachte zwar nicht an Filmstars, empfand aber ein sehr persönlich wirkendes Glück, wenn er Hanna auf dieselbe Weise betrachtete, wie er es umgekehrt erfahren hatte. Irgendeine Skepsis schien sie dazu zu bewegen, ihren Rucksack unter dem Tisch ständig mit beiden Füßen umklammert zu halten, sie strich sich das Haar im Minutentakt hinter das rechte, nie aber hinter das linke Ohr, außerdem hatte sie ein großes Problem damit, eine gleichbleibend angenehme Temperatur für sich zu finden, sodass sie ihre Jacke immer aus- und wieder anzog; all das zu bemerken und abzuspeichern, bereitete Armin eine ganz seichte Freude, die ihm sehr richtig vorkam. Besonders aber liebte er es, wenn sie einen ihrer vielen Stifte anspitzte, dann war Armin voller Spannung und wartete darauf, dass sie die entstehenden Späne achtlos vom Tisch pusten würde, was auch immer geschah – den besonderen Reiz dieser beiläufigen Unternehmung konnte sich Armin zwar nicht erklären, aber er vermutete, dass ein wenig Geheimnisvolles zu solcher Spionage dazugehöre, und versuchte gar nicht erst, sich auf die Schliche zu kommen. Viel mehr passierte auch nicht. Es ist vielleicht noch von Interesse, dass Armin, in Bezug auf seine Eitelkeit, keinen Gewinn aus der Zuneigung Hannas zog: er setzte sie nicht einmal damit in Verbindung, da ihm das alles ganz natürlich vorkam, und somit auch keine besondere Leistung darstellte, derer er sich hätte rühmen können. Es war ihm ja einfach geschehen, ohne dass er groß dazu beigetragen hätte. Er war derart gewöhnt daran, dass er alles, was eintrat, im Nachhinein betrachtet, auch gewollt hatte, dass er sich erneut fühlte, als gäbe es jemanden, der früher als er selbst wusste, wonach ihm der unbemerkte Sinn stand, und ihm die Dinge in dem Moment zur Verfügung stellte, wenn auch Armin selbst meinte, etwas zu begehren. Es war also irgendwie gleichgültig, ob nun der Wunsch zuerst kam und die Erfüllung folgte, oder ob sich erst in der Sekunde des Erfüllens der Wunsch nachträglich erschloss. So funktionierte die Welt für Armin, und daran war gar nicht so viel Unverständliches. Wie gesagt, viel mehr passierte auch nicht, die beiden Liebenden waren sich stillschweigend einig, aus der Situation eine angemessene und erschöpfende Ration Genuss zu ziehen.